Sift: Open-Source-Tool jagt versteckte Passwörter in Unternehmen
- Sift ist ein neues Open-Source-Tool zur Suche nach sensiblen Daten und Credentials.
- Es scannt lokale Festplatten, Netzwerkfreigaben sowie Cloud-Plattformen wie Teams und Slack.
- Entwickelt von Stratus Security als performante, moderne Alternative zu Snaffler.
- Integration von LLMs ermöglicht eine effiziente Filterung von False Positives.

In der modernen IT-Infrastruktur eines Unternehmens sind Passwörter und API-Keys selten an einem einzigen, sicher verschlossenen Ort zu finden. Vielmehr verteilen sie sich wie digitale Brotkrumen über die gesamte Organisation. Ein vergessener Konfigurationsdatei-Schnipsel in einem alten Projektordner oder ein im Eifer des Gefechts in einen Slack-Channel geposteter Zugangsschlüssel können für Angreifer wertvoller sein als die komplexeste Software-Schwachstelle. Genau hier setzt Sift an, ein neues Open-Source-Werkzeug, das die Jagd nach diesen versteckten Geheimnissen automatisiert.
Die Jagd nach dem digitalen Offensichtlichen
Das von der Penetration-Testing-Beratung Stratus Security entwickelte Tool verfolgt einen simplen, aber effektiven Ansatz: Es findet sensible Daten, bevor es böswillige Akteure tun. Sift ist als Kommandozeilen-Tool konzipiert und zielt darauf ab, die Angriffsfläche eines Unternehmens transparent zu machen. Dabei geht es nicht nur um klassische Passwörter, sondern um eine Vielzahl von Credentials, die oft unbemerkt in der digitalen Umgebung überdauern.
Die Gefahr liegt in der Fragmentierung. Während Unternehmen über Jahre hinweg ihre Kollaborations- und Dokumentationsprozesse in die Cloud verlagert haben, ist die Disziplin bei der Geheimnisverwaltung oft nicht im gleichen Maße mitgewachsen. Sift durchsucht systematisch die Orte, an denen die tägliche Arbeit stattfindet, und deckt so Sicherheitslücken auf, die durch menschliche Nachlässigkeit entstanden sind.
Ein breites Spektrum an Scan-Zielen
Was Sift von vielen spezialisierten Scannern unterscheidet, ist die Breite der unterstützten Plattformen. Das Tool beschränkt sich nicht auf das lokale Dateisystem, sondern integriert sich tief in die gängigen Enterprise-Ökosysteme. Die Reichweite umfasst unter anderem:
- Lokale Festplatten und Windows-Netzwerkfreigaben.
- Komplette Active Directory-Domänen.
- Microsoft 365-Umgebungen, einschließlich SharePoint, OneDrive und Teams-Kanaldateien.
- Kollaborations- und Ticket-Systeme wie Slack, Jira und Confluence.
Durch diese ganzheitliche Sichtweise können Sicherheitsteams verstehen, wie sich ein Angreifer lateral durch ein Netzwerk bewegen könnte, indem er von einem einfachen Dokument in SharePoint zu einem administrativen Zugang in Jira gelangt.
Technologische Evolution gegenüber Snaffler
Sift entstand nicht im luftleeren Raum, sondern aus einer praktischen Notwendigkeit heraus. Viele Sicherheitsexperten nutzten zuvor Snaffler oder eigene Forks dieses Tools. Stratus Security stieß jedoch an die Grenzen der Wartbarkeit dieser Anpassungen und entschied sich für eine komplette Neuentwicklung von Grund auf. Der Fokus lag dabei auf zwei Kernaspekten: Performance und Erweiterbarkeit.
Ein wesentlicher technischer Vorteil ist die Umsetzung als Native AOT (Ahead-of-Time) Executable. Das bedeutet, dass Sift als eigenständige Datei ausgeführt werden kann, ohne dass auf dem Zielsystem eine separate .NET-Runtime installiert sein muss. Dies vereinfacht den Einsatz in verschiedenen Umgebungen erheblich und reduziert die Spuren, die das Tool im System hinterlässt.
Ein weiteres Problem klassischer Secret-Scanner ist die Flut an Fehlalarmen. Sift adressiert dies durch den Einsatz von benutzerdefinierten, codebasierten Validatoren. Besonders innovativ ist die Möglichkeit, lokale LLMs (Large Language Models) einzubinden, um False Positives zu filtern. Die KI hilft dabei, zu unterscheiden, ob eine Zeichenfolge tatsächlich ein API-Key ist oder lediglich ein zufälliger Textstring, der einem Muster ähnelt.
Effizienzsteigerung für Security-Teams
Für Penetration Tester und interne Sicherheitsteams bedeutet der Einsatz von Sift eine massive Zeitersparnis. Anstatt manuell nach verdächtigen Dateinamen oder Mustern zu suchen, übernimmt das Tool die Vorarbeit. Die Geschwindigkeit, mit der Netzwerkfreigaben und Cloud-Dienste durchsucht werden, wird als einer der größten Vorteile hervorgehoben. Sift transformiert die Suche nach Credentials in eine skalierbare Mission, die auch in großen Enterprise-Umgebungen funktioniert.
Die Open-Source-Strategie von Stratus Security erlaubt es der Community, das Tool kontinuierlich zu verbessern. Da die Bedrohungslandschaft und die Formate von API-Keys ständig variieren, ist ein kollaborativer Ansatz essenziell, um die Erkennungsraten hoch zu halten und neue Konnektoren für weitere Plattformen zu entwickeln.
Die Architektur der digitalen Sorgfalt
Die Veröffentlichung von Sift unterstreicht eine wichtige Erkenntnis der modernen Cybersicherheit: Die beste Firewall nützt wenig, wenn die Schlüssel zum Königreich in einer Teams-Chat-Historie von 2022 liegen. Die Implementierung eines solchen Scanners ist daher kein einmaliges Ereignis, sondern Teil einer kontinuierlichen Hygiene-Strategie.
Sift ist ein Werkzeug, das aus Frustration über bestehende Lösungen entstand und nun hilft, die Datensicherheit für Pentesters und Security-Teams weltweit zu verbessern.
Unternehmen, die Sift einsetzen, können eine Baseline ihrer Sicherheitslage erstellen. Indem sie die gleichen Werkzeuge nutzen wie potenzielle Angreifer, identifizieren sie die schwächsten Glieder ihrer Kette. Die Integration in bestehende Workflows ermöglicht es, präventive Maßnahmen zu ergreifen, wie etwa die Einführung von Secret-Management-Systemen oder die Schulung von Mitarbeitern im Umgang mit sensiblen Daten in Kollaborations-Tools.
Bedeutung für den deutschen Mittelstand und die DACH-Region
Für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz hat die Verfügbarkeit von Tools wie Sift eine besondere Relevanz. Der deutsche Mittelstand, das Rückgrat der Industrie 4.0, steht vor der Herausforderung, hochkomplexe Produktionsumgebungen mit modernen Cloud-Kollaborations-Tools zu verknüpfen. Diese Hybrid-Strukturen schaffen oft blinde Flecken in der Sicherheit.
Im Kontext des EU AI Act wird die Nutzung von lokalen LLMs zur Filterung von False Positives besonders interessant. Da deutsche Unternehmen aus Datenschutzgründen oft skeptisch gegenüber Cloud-KI sind, bietet die lokale Ausführung von KI-Modellen innerhalb von Sift einen Weg, die Effizienz zu steigern, ohne sensible Firmendaten an externe Server zu senden. Dies korrespondiert mit den strengen Anforderungen der DSGVO.
Zudem zeigt die aktuelle Bedrohungslage, wie kritisch das Thema Patch-Management und Credential-Hygiene ist. Berichte über tausende ungesicherte Microsoft Exchange Server in Deutschland verdeutlichen, dass die technische Infrastruktur oft hinterherhinkt. Sift bietet hier eine kostengünstige, Open-Source-Alternative, um die eigene Angriffsfläche schnell zu analysieren, ohne auf teure Enterprise-Suites angewiesen zu sein. Für den Mittelstand bedeutet dies eine Demokratisierung von High-End-Sicherheitstools, die zuvor nur spezialisierten Beratungsfirmen vorbehalten waren. Die Kombination aus Industrie 4.0 und einer konsequenten Secret-Scanning-Strategie ist essenziell, um die digitale Souveränität in der DACH-Region zu wahren.
Weitere Details zur Funktionsweise und den Installationsmöglichkeiten finden sich in der Dokumentation der Tool-Veröffentlichung.
Häufige Fragen
Was genau ist Sift?
Sift ist ein kostenloses Open-Source-Kommandozeilen-Tool, das lokale Festplatten, Netzwerkfreigaben und Cloud-Plattformen (wie Microsoft 365, Slack und Jira) nach Passwörtern, API-Keys und anderen sensiblen Daten durchsucht.
Wodurch unterscheidet sich Sift von Snaffler?
Sift wurde von Grund auf neu entwickelt, um performanter und erweiterbarer zu sein. Es bietet Native AOT Executables (keine .NET-Installation nötig) und nutzt lokale LLMs zur Reduzierung von Fehlalarmen.
Welche Plattformen können mit Sift gescannt werden?
Das Tool unterstützt lokale Disks, Windows-Dateifreigaben, Active Directory, SharePoint, OneDrive, Teams, Slack, Jira und Confluence.
Ist Sift sicher für den Einsatz in Unternehmen?
Sift wurde von Stratus Security für professionelle Penetration Tests entwickelt und ist Open Source, was Transparenz über den Code ermöglicht. Es hilft Unternehmen, Sicherheitslücken zu finden, bevor Angreifer sie ausnutzen.
Quellen: Newsbreak, Github, Undercodenews ·
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