KI-Krieg im Journalismus: Seattle Times und Newsday verklagen OpenAI

- Die Seattle Times und Newsday verklagen OpenAI und Microsoft wegen Urheberrechtsverletzungen.
- Die Kläger bezeichnen generative KI als eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz frisst.
- Es geht konkret um 1.375 registrierte Werke; gefordert wird die Vernichtung der Trainingsdaten.
- Die Klage ist besonders brisant, da Microsoft und OpenAI zuvor Projekte der Seattle Times finanzierten.
Die Fronten zwischen den Produzenten von Qualitätsjournalismus und den Entwicklern generativer Künstlicher Intelligenz verhärten sich weiter. In einer neuen Eskalation haben die US-Publikationen The Seattle Times und Newsday rechtliche Schritte gegen OpenAI und Microsoft eingeleitet. Die Klage, die am 4. September 2026 vor dem US-Bundesbezirksgericht für den südlichen Bezirk von New York eingereicht wurde, ist mehr als ein bloßer Streit um Lizenzgebühren. Sie ist ein existenzieller Hilferuf einer Branche, die befürchtet, durch die Technologie, die sie unfreiwillig füttert, ersetzt zu werden.
Ein System, das seine eigenen Grundlagen vernichtet
In der Klageschrift verwenden die Medienhäuser eine drastische Metapher: Sie beschreiben die generative KI als eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz frisst. Damit meinen die Kläger, dass KI-Modelle wie ChatGPT und Microsoft CoPilot auf hochwertigen, von Menschen geschriebenen Inhalten basieren, diese jedoch in einer Form zurückgeben, die das Original überflüssig macht. Die Logik dahinter ist simpel und zugleich erschreckend: Die KI konsumiert den Journalismus, um kommerzielle Ziele zu erreichen, und liefert der Welt dann Kopien oder derivative Imitationen dieser Inhalte aus.
Die Kläger argumentieren, dass die KI-Produkte in Wahrheit keine Schöpfer von Inhalten sind, sondern raubtierhafte Konsumenten. Wenn Nutzer Antworten direkt von einer KI erhalten, anstatt den ursprünglichen Artikel auf der Website eines Mediums zu lesen, bricht das ökonomische Modell des Journalismus zusammen. Die Klage warnt davor, dass die gesamte Branche irreparabel beschädigt werden könnte, wenn die Urheber der Daten nicht geschützt werden.
Die harten Fakten hinter der Klage
Während viele Diskussionen über KI im Vagen bleiben, wird diese Klage sehr konkret. Es geht nicht um eine allgemeine Nutzung des Internets, sondern um 1.375 registrierte Werke, die ohne Genehmigung in die Trainingsdaten geflossen sein sollen. Die Forderung der Kläger geht dabei über finanzielle Entschädigungen hinaus: Sie beantragen die Vernichtung der Trainingsdaten, die auf ihren urheberrechtlich geschützten Inhalten basieren. Dies würde bedeuten, dass Teile der Modelle theoretisch gelöscht oder neu trainiert werden müssten, was einen massiven technischen und finanziellen Aufwand für OpenAI und Microsoft bedeuten würde.
Dieser Fall steht in der Tradition der wegweisenden Klage der New York Times aus dem Jahr 2023, hat jedoch eine zusätzliche emotionale und geschäftliche Komponente. Die Seattle Times stand zuvor in einer engen Beziehung zu den Beklagten. Microsoft und OpenAI hatten in der Vergangenheit bestimmte journalistische Projekte und Stipendien der Zeitung finanziert. Dass eine Organisation, die Unterstützung von den Tech-Giganten erhielt, nun vor Gericht gegen sie zieht, unterstreicht die Tiefe des Vertrauensbruchs und die Dringlichkeit der Situation.
Die Reaktion der Tech-Giganten
Microsoft reagierte auf die Nachricht mit einer Mischung aus Überraschung und diplomatischer Offenheit. Ein Sprecher des Unternehmens gab gegenüber GeekWire an, dass man über die Klage überrascht sei, aber immer bereit sei, sich zusammenzusetzen und Lösungen für diese Art von Streitigkeiten zu finden. OpenAI wird in der Klage zusammen mit neun seiner Tochtergesellschaften genannt, was die Komplexität der rechtlichen Auseinandersetzung erhöht.
Die Strategie der Tech-Unternehmen basierte bisher oft auf dem Konzept des Fair Use, also der Annahme, dass das Training von KI-Modellen eine transformative Nutzung von Daten darstellt und daher keine Urheberrechtsverletzung vorliegt. Doch die schiere Menge an Klagen und die spezifische Benennung tausender Einzelwerke setzen diesem Argument immer mehr Grenzen.
Juristische Präzedenzfälle und die Rolle deutscher Gerichte
Interessanterweise ist der Kampf um die KI-Trainingsdaten kein rein amerikanisches Phänomen. Die rechtliche Auseinandersetzung findet global statt, und europäische Gerichte spielen eine Schlüsselrolle bei der Definition dessen, was als rechtmäßige Nutzung gilt. Ein bemerkenswerter Bezugspunkt ist hierbei die deutsche Rechtsprechung.
Wie Netz Trends berichtet, gab es bereits in Deutschland relevante Entwicklungen. Das Landgericht München I hatte im Jahr 2025 in erster Instanz zur sogenannten Memorisierung – also der Fähigkeit der KI, Trainingsdaten fast wortgetreu wiederzugeben – gegen OpenAI entschieden. Solche Urteile aus dem DACH-Raum senden ein Signal an die gesamte Industrie: Die Annahme, dass KI-Modelle Daten lediglich abstrakt lernen, wird rechtlich angefochten, wenn die KI in der Lage ist, geschützte Werke in erkennbarer Form zu reproduzieren.
Die Klagen sind nicht nur Streitigkeiten über Urheberrechte; sie stellen eine fundamentale Herausforderung für die Grundpraktiken der generativen KI und die Zukunftsfähigkeit menschlicher Content-Erstellung dar.
Bedeutung für Unternehmen in Deutschland und der DACH-Region
Für den deutschen Mittelstand und Unternehmen im Bereich Industrie 4.0 ist dieser Rechtsstreit ein wichtiges Warnsignal. Viele Firmen implementieren derzeit eigene KI-Lösungen oder nutzen Tools wie CoPilot, um Effizienzsteigerungen zu erzielen. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass die rechtliche Grundlage der Trainingsdaten ein massives Risiko darstellt.
Im Kontext des EU AI Act wird die Transparenz über die verwendeten Trainingsdaten zur Pflicht. Deutsche Unternehmen müssen sich fragen, ob die Tools, auf die sie ihre Geschäftsprozesse stützen, auf rechtlich gesicherten Daten basieren. Sollten Gerichte weltweit die Vernichtung von Trainingsdaten anordnen, könnten KI-Modelle plötzlich instabil werden oder Funktionen verlieren, was für Unternehmen, die diese Tools tief in ihre Wertschöpfungskette integriert haben, ein operatives Risiko bedeutet.
Zudem zeigt der Fall, dass geistiges Eigentum in der Ära der KI neu bewertet werden muss. Für deutsche Unternehmen, die auf spezialisiertem Fachwissen und proprietären Daten basieren, ist es essenziell, Strategien zu entwickeln, wie sie ihre Inhalte vor dem unkontrollierten Training durch externe KI-Modelle schützen können, während sie gleichzeitig die Vorteile der Technologie nutzen.
Häufige Fragen
Warum verklagen die Zeitungen OpenAI und Microsoft jetzt?
Die Veröffentlichungen werfen den Unternehmen vor, ihre journalistischen Inhalte ohne Erlaubnis zum Training von KI-Modellen genutzt zu haben, was die wirtschaftliche Basis des Journalismus gefährdet.
Was ist mit der Vernichtung der Trainingsdaten gemeint?
Die Kläger fordern, dass die spezifischen Daten (in diesem Fall 1.375 Werke), die illegal genutzt wurden, aus den Modellen entfernt werden, was technisch sehr komplex ist.
Warum ist die Rolle von Microsoft in diesem Fall besonders kompliziert?
Microsoft hatte zuvor Projekte der Seattle Times finanziert, was die Klage zu einem Konflikt zwischen einem ehemaligen Förderer und einem jetzigen Kläger macht.
Gibt es ähnliche Fälle in Europa?
Ja, beispielsweise gab es in Deutschland bereits erstinstanzliche Entscheidungen des Landgerichts München I zur Memorisierung von Daten durch OpenAI.
Quellen: TechCrunch, Yahoo, Printingpressai ·
Scrivila qui: Susanna, l assistente AI di glacom, ti risponde via email con un approfondimento gratuito.
Nessuna consulenza personalizzata (finanziaria, legale o medica): solo informazione e fonti. Email usata solo per rispondere.
oppure scrivile su: WhatsApp · Telegram · SimpleX · Delta Chat · Email