09/05/2026, 21.03

Google vs. ChatGPT: Warum Nutzer beide Welten gleichzeitig besetzen

Neue Daten zeigen: 95% der ChatGPT-Nutzer nutzen weiterhin Google. Erfahren Sie, wie sich das Suchverhalten ändert und was dies für den DACH-Mittelstand bedeutet.
Auf einen Blick
  • Eine Similarweb-Studie belegt, dass 95% der ChatGPT-Nutzer parallel weiterhin Google verwenden.
  • Während die Nutzerzahlen stabil bleiben, sinken die traditionellen Suchanfragen und Klicks auf Webseiten.
  • Google reagiert mit neuen KI-Tools wie Google Pics für Workspace und spezialisierten Lernfunktionen für Studierende.
  • Für Unternehmen in der DACH-Region verschiebt sich der Fokus von klassischem SEO hin zu einer hybriden Sichtbarkeit.

Die Erzählung vom schnellen Ende der klassischen Suchmaschine scheint vorerst ein Trugschluss zu sein. Lange Zeit hielt sich das Narrativ, dass generative KI-Plattformen wie ChatGPT die traditionelle Suche durch Google vollständig ersetzen würden. Doch aktuelle Daten zeichnen ein differenzierteres Bild: Die Nutzer entscheiden sich nicht für eine Seite, sondern integrieren beide Werkzeuge in ihren digitalen Alltag.

Laut einer Analyse von Similarweb besuchten im September 2025 rund 95% der ChatGPT-Nutzer auch Google. Dieser Wert blieb bis Mai 2026 konstant, obwohl die Besuche auf generativen KI-Plattformen im Jahresvergleich um 70% gestiegen sind. Es findet also kein massiver Exodus statt, sondern eine Erweiterung des Toolsets. Die KI wird der Suche hinzugefügt, anstatt sie zu verdrängen.

Die Paradoxie zwischen Nutzerzahlen und Klicks

Trotz der hohen Überschneidung der Nutzergruppen gibt es eine besorgniserregende Entwicklung für Webseitenbetreiber und Marketer. Eine Studie der Bocconi University zeigt, dass in Haushalten, die Zugang zu ChatGPT Search erhielten, die traditionellen Suchanfragen um 9,4% zurückgingen. Dieser Trend verstärkte sich mit zunehmender Nutzungsdauer der KI.

Hier liegt der Kern des Problems: Ein Nutzer kann statistisch gesehen weiterhin ein Google-Nutzer sein, wenn er die Plattform nur noch für spezifische Aufgaben wie die Suche nach Öffnungszeiten, Google Maps oder Logins verwendet. Die komplexeren Informationsbedürfnisse, die früher zu einer Serie von Klicks auf verschiedene Webseiten führten, werden nun oft direkt in einem KI-Chat gelöst. Das Ergebnis ist eine Schere, die immer weiter auseinandergeht: Die Anzahl der Menschen, die Google besuchen, bleibt hoch, aber die Anzahl der Klicks auf externe Links sinkt. Search Engine Journal beschreibt dies als eine Lücke, in der viele SEO-Experten derzeit versuchen, die sinkenden Referrals zu erklären.

Google kontert mit produktiver KI-Integration

Google reagiert auf diesen hybriden Nutzungstrend nicht nur mit Suchanpassungen, sondern durch eine tiefe Integration von KI in seine Produktivitäts-Suite. Ein aktuelles Beispiel ist die Einführung von Google Pics für Workspace-Kunden. Seit dem 1. September 2026 steht dieses Tool für Nutzer von Business Standard, Business Plus und Enterprise-Varianten zur Verfügung.

Google Pics basiert auf dem Modell Nano Banana (einer Variante von Gemini 2.5 Flash Image) und ermöglicht es Unternehmen, visuelle Inhalte wie Poster oder Social-Media-Grafiken direkt über Textprompts zu erstellen. Die Anwendung ist unter pics.new erreichbar und wird direkt in Google Docs und Slides integriert. Damit zielt Google direkt auf Design-Plattformen wie Canva oder Adobe Express ab. Besonders relevant für den internationalen Markt ist die Funktion, Texte innerhalb von Bildern in 29 verschiedenen Sprachen zu bearbeiten und zu übersetzen, ergänzt durch Upscaling-Optionen bis zu 4K-Auflösung.

Strategische Offensive im Bildungssektor

Ein weiterer Pfeiler der Strategie ist die Bindung junger Nutzer. Google hat erkannt, dass Studierende und Auszubildende die KI-Tools besonders intensiv für das Lernen nutzen. Suchanfragen zu KI und Lernen sind im Vorjahresvergleich massiv gestiegen, insbesondere in den Bereichen Physik (+660%) und Mathematik (+170%).

Um diese Zielgruppe langfristig an das Ökosystem zu binden, bietet Google ein kostenloses einjähriges Abo für Google AI Plus an. Zentrales Element ist der neue Student Hub, der Lern-Notebooks ermöglicht. Diese Tools analysieren hochgeladene Vorlesungsnotizen und erstellen strukturierte Lernpläne, Quizze und Dashboards zur Fortschrittskontrolle. Google versucht hier, die KI nicht nur als Antwortmaschine, sondern als aktiven Lernbegleiter zu positionieren, der sogar Prüfungsfristen direkt in den Google Kalender einträgt.

Die Verschiebung der Sucharchitektur

Parallel zu den Workspace-Erweiterungen verändert Google die Architektur der Suche selbst. Die Ära der zehn blauen Links weicht einer aufgabenbasierten Oberfläche. Ein Beispiel ist die Integration des neuen Wettermodells WeatherNext 3, das eine deutlich höhere Genauigkeit bietet und die Suche in Richtung eines persönlichen Assistenten verschiebt.

Zudem wird die Videoanalyse durch Gemini in Ask YouTube optimiert. Mit dem sogenannten agentic video understanding kann die KI nun spezifische Segmente eines Videos analysieren, anstatt nur Stichproben zu nehmen. Diese Entwicklung unterstreicht, dass Google versucht, die Informationsgewinnung so effizient zu gestalten, dass der Nutzer die Plattform nicht verlassen muss, um eine präzise Antwort zu finden – was wiederum den Druck auf traditionelle Website-Klicks erhöht.

Die Daten zeigen deutlich: Die Nutzer verlassen Google nicht für die KI, sie nutzen schlichtweg beides, wobei die KI die Art und Weise verändert, wie Informationen konsumiert werden.

Bedeutung für Unternehmen in Deutschland und der DACH-Region

Für den deutschen Mittelstand und Unternehmen in Österreich und der Schweiz ergeben sich aus dieser hybriden Nutzungssituation spezifische Herausforderungen und Chancen. Die Erkenntnis, dass Nutzer weiterhin Google verwenden, aber seltener klicken, bedeutet, dass klassisches SEO nicht stirbt, sich aber fundamental wandelt.

Im Kontext von Industrie 4.0 und der digitalen Transformation müssen lokale Betriebe ihre Sichtbarkeit neu denken. Es geht nicht mehr nur darum, bei einem Keyword auf Platz eins zu stehen, sondern als vertrauenswürdige Quelle in den KI-Antworten (AI Overviews) zu erscheinen. Die Integration von KI-Tools wie Google Pics in den Workspace bietet zudem eine Chance, die interne Content-Produktion effizienter zu gestalten, ohne teure Agenturleistungen für einfache Grafiken in Anspruch nehmen zu müssen.

Besonders kritisch bleibt jedoch die rechtliche Komponente. Während die technologischen Möglichkeiten rasant wachsen, setzt der EU AI Act den Rahmen für den Einsatz dieser Systeme in Europa. Deutsche Unternehmen müssen sicherstellen, dass die Nutzung von generativer KI in der Kommunikation und im Marketing mit den strengen Datenschutzrichtlinien und den Risikoklassen der EU-Verordnung konform ist. Die Herausforderung für den DACH-Raum besteht darin, die Effizienzgewinne der KI-Integration zu nutzen, ohne die rechtliche Sicherheit und die Markenhoheit über die eigenen Daten zu verlieren.

Häufige Fragen

Ersetzen KI-Chatbots wie ChatGPT die Google-Suche komplett?

Nein, aktuelle Daten von Similarweb zeigen, dass 95% der ChatGPT-Nutzer weiterhin Google verwenden. Die KI wird eher als ergänzendes Werkzeug genutzt.

Warum sinken die Klicks auf Webseiten, wenn die Nutzerzahlen bei Google stabil bleiben?

Viele Nutzer lassen komplexe Fragen direkt von der KI beantworten, anstatt auf verschiedene Webseiten zu klicken. Google wird oft nur noch für einfache Aufgaben wie Maps oder Logins genutzt.

Was ist Google Pics und wer kann es nutzen?

Google Pics ist ein KI-Bildeditor für Workspace-Kunden (Business Standard, Plus, Enterprise), der auf dem Modell Nano Banana basiert und die Erstellung sowie Bearbeitung von Grafiken ermöglicht.

Welche Angebote gibt es für Studierende in der DACH-Region?

Google bietet berechtigten Studierenden und Auszubildenden ein kostenloses 12-monatiges Google AI Plus-Abo sowie einen speziellen Student Hub mit Lern-Notebooks an.


Quellen: Searchenginejournal, Newsbreak, Bnqdigital ·

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