Freestyle Design in Turin: Bertone-Ikonen prägen den Salone Auto 2026

- Der Salone Auto Torino 2026 findet vom 11. bis 13. September als Open-Air-Event statt.
- Der Automotoclub Storico Italiano (ASI) präsentiert die Ausstellung 'Freestyle Design'.
- Gezeigt werden visionäre Bertone-Modelle für Freizeit und urbane Mobilität.
- Die Exponate reichen von Konzeptautos der 60er Jahre bis zu Ikonen wie dem Lamborghini Countach.
Turin kehrt im September 2026 zu seiner historischen Rolle als Epizentrum der Automobilwelt zurück. Vom 11. bis 13. September verwandelt sich das Stadtzentrum in eine weitläufige, kostenlose Open-Air-Ausstellung, die die Brücke zwischen der nostalgischen Vergangenheit, der aktuellen Gegenwart und den Visionen der Zukunft schlägt. Die Route führt die Besucher durch die Piazza Castello, die Piazzetta Reale und die Corte d’Onore bis hin zu den Gärten der Königlichen Museen, wo ein besonderer Schwerpunkt auf der Designgeschichte liegt.
Die Vision des Freestyle Design in den Gärten der Museen
In der prestigeträchtigen Kulisse der Giardini dei Musei Reali hat der Automotoclub Storico Italiano (ASI) seinen Raum bezogen. Unter dem Titel 'Freestyle Design' präsentiert der Verband eine Auswahl aus der Collezione ASI Bertone. Diese Ausstellung ist kein bloßer Rückblick auf alte Karosserien, sondern eine Analyse der Idee, Fahrzeuge gezielt für die Freizeitgestaltung und eine intelligente, sogenannte smarten Mobilität im urbanen Raum zu konzipieren.
Das Konzept des Freestyle Design bricht mit den starren Konventionen der klassischen Automobilentwicklung. Es geht darum, das Auto nicht nur als Transportmittel, sondern als Lifestyle-Objekt zu begreifen, das sich flexibel an die Bedürfnisse des Nutzers anpasst. Die gezeigten Modelle illustrieren, wie Bertone bereits vor Jahrzehnten versuchte, die Grenzen zwischen Funktion und Ästhetik neu zu definieren, um auf die gesellschaftlichen Veränderungen der jeweiligen Epochen zu reagieren.
Futurismus der 60er Jahre und die Runabout
Ein besonderer Anziehungspunkt der Ausstellung ist die Runabout aus den 1960er Jahren. Dieses Konzeptfahrzeug ist ein Paradebeispiel für den interdisziplinären Ansatz von Bertone, da es starke Inspirationen aus der Nautik in das Automobildesign übertrug. Die Runabout war nicht nur eine bloße Designstudie, sondern ein voll funktionsfähiger Prototyp, der eine kompakte und essenzielle Sportlichkeit verkörperte.
Interessanterweise legte die Runabout den Grundstein für spätere Serienfahrzeuge. Die stilistischen Codes und Linienführungen dieses Modells finden sich in deutlich erkennbarer Form in späteren Ikonen wie dem Fiat X1/9 und dem Lancia Stratos wieder. Damit bewies Bertone bereits früh, dass visionäre Konzeptstudien die direkte DNA für den kommerziellen Erfolg zukünftiger Sportwagen liefern können.
Demokratisierung des Vergnügens und urbane Pragmatik
Neben den exklusiven Prototypen zeigt der ASI auch Fahrzeuge, die das Design für die breite Masse zugänglich machten. Die Fiat 850 Spider steht hier stellvertretend für die Demokratisierung des offenen Fahrens. Sie machte den Traum vom Cabriolet für einen weitaus größeren Teil der Bevölkerung erreichbar und verband italienische Eleganz mit erschwinglicher Technik.
Ein völlig anderer Ansatz zeigt sich beim Fiat 128 Shopping. Dieses Einzelstück war eine Antwort auf den Aufstieg der ersten Supermärkte. Das Fahrzeug wurde als zweites Familienauto konzipiert, das durch einen großzügigen Innenraum und einen praktischen, ausziehbaren Einkaufswagen im Heck bestach. Es ist ein frühes Beispiel für die Überlegung, wie ein Auto spezifische Alltagssituationen durch integrierte Hardware lösen kann, lange bevor moderne Multifunktionsfahrzeuge zum Standard wurden.
Experimentelle Ansätze der 70er Jahre
Die 1970er Jahre waren bei Bertone geprägt von einer fast spielerischen Herangehensweise an die Mobilität. Die Chrysler Shake und die Suzuki Go repräsentieren diese Ära. Während die Chrysler Shake die Interpretation eines Dune Buggys darstellt – basierend auf der Mechanik eines Simca 1200 S –, ging die Suzuki Go noch einen Schritt weiter. Dieses zweisitzige, polyvalente Fahrzeug wurde so konstruiert, dass es nicht nur auf der Straße operieren, sondern auch auf dem Wasser navigieren konnte.
Diese Experimente unterstreichen den Geist des Freestyle Design: Die Weigerung, sich auf eine einzige Umgebung oder Funktion festzulegen. Die Fahrzeuge dieser Zeit waren Ausdruck einer Aufbruchstimmung, in der die Mobilität als grenzenloses Erlebnis begriffen wurde.
Die großen Meilensteine von Marcello Gandini
Die Ausstellung würde nicht vollständig sein ohne die radikalen Entwürfe von Marcello Gandini. Die Besucher des Salone Auto Torino 2026 können einige der einflussreichsten Autos der Geschichte bewundern, darunter den Ferrari Rainbow sowie den Lamborghini Miura und den Countach. Diese Fahrzeuge markieren den Höhepunkt der Keilform-Ära und definierten das Bild des Supercars für Generationen.
Während die Freizeitfahrzeuge den pragmatischen und verspielten Teil von Bertone zeigen, repräsentieren die Lamborghini-Modelle die absolute technische und ästhetische Perfektion. Sie zeigen, wie aus einer radikalen Idee eine globale Ikone wird, die bis heute als Referenz für aggressives und zugleich elegantes Design gilt. Weitere Details zu diesen Exponaten finden sich in den Berichten von ClubAlfa.
Bedeutung für die DACH-Region: Industrie 4.0 und der Mittelstand
Für Unternehmer und Ingenieure in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet die Retrospektive des Freestyle Design wertvolle Impulse. In einer Zeit, in der die Automobilindustrie durch den Übergang zur Elektromobilität und autonomem Fahren massiv unter Druck steht, erinnert die Bertone-Kollektion daran, dass Innovation oft dort entsteht, wo man die Grenzen der Kategorie sprengt.
Besonders für den deutschen Mittelstand, der oft als Zulieferer für die großen OEMs agiert, ist die Verbindung von Design und funktionaler Innovation entscheidend. Die Fähigkeit, wie beim Fiat 128 Shopping spezifische Nutzerbedürfnisse (User Experience) in physische Produktmerkmale zu übersetzen, ist heute im Kontext von Industrie 4.0 aktueller denn je. Die Integration von Software und Hardware muss heute dieselbe intuitive Leichtigkeit erreichen, die Bertone damals in die Karosserieform brachte.
Zudem spielt der regulatorische Rahmen, insbesondere der AI Act der EU, eine Rolle bei der Entwicklung zukünftiger 'smarter' Mobilitätskonzepte. Während Bertone mechanische Lösungen für die urbane Mobilität schuf, müssen heutige Unternehmen die Balance zwischen KI-gestützter Personalisierung und strengen Datenschutzrichtlinien finden. Die Lehre aus Turin ist klar: Technischer Fortschritt ist nur dann erfolgreich, wenn er in ein Design eingebettet ist, das den Menschen und seinen Lebensstil in den Mittelpunkt stellt.
Die Geschichte von Bertone zeigt, dass das Auto niemals nur ein Werkzeug war, sondern immer ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Sehnsüchte nach Freiheit und Effizienz.
Die aktuelle Transformation der Branche in der DACH-Region erfordert genau diesen Mut zum Experiment, den die Runabout oder die Suzuki Go verkörperten. Es geht nicht mehr nur um den Antrieb, sondern um die Neudefinition des Raums zwischen Fahrer und Umgebung.
Häufige Fragen
Wann und wo findet der Salone Auto Torino 2026 statt?
Die Veranstaltung findet vom 11. bis 13. September 2026 im Zentrum von Turin statt, unter anderem in den Gärten der Königlichen Museen, und ist für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich.
Was ist das Besondere an der Ausstellung 'Freestyle Design'?
Sie präsentiert Ikonen der Bertone-Kollektion, die speziell für die Freizeit und eine intelligente urbane Mobilität entwickelt wurden, von Konzeptautos bis zu Serienmodellen.
Welche bekannten Modelle sind in der Ausstellung zu sehen?
Zu den Highlights gehören die Runabout, der Fiat 850 Spider, der Fiat 128 Shopping, die Chrysler Shake, die Suzuki Go sowie der Lamborghini Miura und Countach.
Wer organisiert den Bereich der Bertone-Kollektion?
Dieser Bereich wird vom Automotoclub Storico Italiano (ASI) kuratiert und präsentiert.
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